Handke

Hạndke,
 
Peter, österreichischer Schriftsteller, * Griffen (Kärnten) 6. 12. 1942; ein Jurastudium in Graz (1961-65) brach er ab, lebte nach Reisen und langen Auslandsaufenthalten in Salzburg und seit 1989 in Chaville (Frankreich). Seine frühen Stücke (besonders »Publikumsbeschimpfung«, 1966, und »Kaspar«, 1967) sowie die Pantomime »Das Mündel will Vormund sein« (1969) begründeten seinen literarischen Ruf. Hauptthema ist die Sprache, die durch sie erfahrene und reflektierte Wirklichkeit, programmatisch formuliert durch den Titel der Textsammlung »Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt« (1969). Diese intensive Beschäftigung mit der eigenen künstlerischen Existenz setzte ihn auch dem Vorwurf der Weltflucht und Selbstbespiegelung aus. In den Erzählungen »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter« (1970) und »Der kurze Brief zum langen Abschied« (1972) sind erstmals Handlungszusammenhänge erkennbar. Daneben griff Handke auf klassische literarische Traditionen zurück, setzte sich u. a. mit K. P. Moritz, G. Keller und A. Stifter auseinander. In Film (»Chronik der laufenden Ereignisse«, 1971, Filmbuch; »Falsche Bewegung«, 1975, Filmerzählung; später auch Regie) und Malerei erprobte er andere Formen künstlerischen Ausdrucks. Mit der Erzählung »Langsame Heimkehr« (1979), die auch den übergreifenden Titel für die folgenden Werke liefert (»Die Lehre der Sainte-Victoire«, 1980, Prosa; »Kindergeschichte«, 1981, Erzählung; »Über die Dörfer. Dramatisches Gedicht«, 1981), fand Handke zu einer hochstilisierten Sprache, die den Selbstfindungsprozess nun in teilweise mythisch überhöhten Metaphern beschreibt. Schreiben ist für ihn Form- und Forschungsarbeit, Möglichkeit des Aufdeckens von Lebensstrukturen. Der umfangreiche Roman »Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten« (1994) beschäftigt sich ebenfalls mit der Schriftstellerexistenz, mit deutlich autobiographischem Bezug. Der 1996 publizierte Bericht »Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien« zog den Autor in eine heftige politische Diskussion. - Handke ist auch Übersetzer amerikanischer, französischer, slowenischer und griechischer Literatur. Neben vielen anderen Preisen erhielt er 1973 den Georg-Büchner-Preis (den er 1999 aus Protest gegen die NATO-Bombardements in Serbien zurückgab) und 1987 den Großen Österreichischen Staatspreis.
 
Weitere Werke: Erzählungen: Wunschloses Unglück (1972); Die Stunde der wahren Empfindung (1975); Die linkshändige Frau (1976); Der Chinese des Schmerzes (1983); Die Wiederholung (1986); Nachmittag eines Schriftstellers (1987); Die Abwesenheit. Ein Märchen (1987); Versuch über die Jukebox. Erzählung (1990).
 
Romane: Die Hornissen (1966); Der Hausierer (1967); In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus (1997); Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos (2002).
 
Prosa, Autobiographisches: Begrüßung des Aufsichtsrats (1967); Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms (1972); Als das Wünschen noch geholfen hat. Gedichte, Aufsätze, Texte, Fotos (1974); Das Gewicht der Welt. Ein Journal (1977); Das Ende des Flanierens. Gedichte, Aufsätze, Reden, Rezensionen (1980); Die Geschichte des Bleistifts (1982; Aufzeichnungen 1976-82); Phantasien der Wiederholung (1983); Versuch über die Müdigkeit (1989); Noch einmal für Thukydides (1990); Abschied des Träumers vom Neunten Land. Eine Wirklichkeit, die vergangen ist: Erinnerung an Slowenien (1991); Versuch über den geglückten Tag. Ein Wintertagtraum (1991); Langsam im Schatten. Gesammelte Verzettelungen 1980-1992 (1992); Noch einmal vom Neunten Land (1993).
 
Theater: Der Ritt über den Bodensee (1971); Die Unvernünftigen sterben aus (1973); Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten (1992).
 
Wind und Meer. 4 Hörspiele (1970).
 
Ausgabe: Die Theaterstücke (1992).
 
 
P. H., hg. v. H. L. Arnold (41978);
 M. Durzak: P. H. u. die dt. Gegenwartslit. (1982);
 P. Pütz: P. H. (1982);
 
Zu P. H. Zw. Experiment u. Tradition, hg. v. N. Honsza (1982);
 C. Bartmann: Suche nach Zusammenhang. H.s Werk als Prozeß (Wien 1984);
 
P. H. Die Arbeit am Glück, hg. v. G. Melzer u. a. (1985);
 R. G. Renner: P. H. (1985);
 
P. H., hg. v. R. Fellinger (21992);
 
P. H., hg. v. G. Fuchs u. a. (Graz 1993).

Universal-Lexikon. 2012.

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